Wer jünger aussieht, lebt länger

Wer jünger aussieht, lebt länger

»Ich habe nur eine einzige Falte, und auf der sitze ich«, soll die schlagfertige Französin Jeanne Calment an ihrem 100. Geburtstag gesagt haben. Als sie 22 Jahre später starb, ging sie als der älteste Mensch, der jemals gelebt hat, in die Geschichte ein. Rückblickend hätte man ihre für ihr Alter relativ glatte und faltenarme Haut möglicherweise schon als Fingerzeig, als versteckten Hinweis auf ihre Langlebigkeit deuten können. Denn glaubt man dänischen Forschern, dann werden Menschen, die jünger aussehen, als sie tatsächlich sind, auch älter. Um die Jahrtausendwende untersuchten sie dazu fast 800 Personen, die damals zwischen 70 und 90 Jahre alt waren. Ziel war es herauszufinden, ob es einen Bezug zwischen geschätztem Alter und der Lebenserwartung gab. Um genetische Faktoren für den Alterungsprozess auszuschließen, nahmen die Wissenschaftler nur Zwillingspaare in die Studie auf. Nun sollten Krankenschwestern, junge Männer und ältere Frauen anhand von Fotos das Alter der Seniorinnen und Senioren schätzen. Außerdem wurden Tests zur körperlichen und geistigen Fitness der Zwillinge durchgeführt und ein Marker für das biologische Alter der Zellen, die Telomerlänge, bestimmt. Das Ergebnis nach sieben Jahren Forschungsarbeit: Je größer der optische Altersunterschied zwischen den Zwillingsgeschwistern geschätzt wurde, desto wahrscheinlicher war es, dass sich der jünger geschätzte Bruder beziehungsweise die entsprechende Schwester zusätzlicher Lebensjahre erfreuen konnte. Die jünger aussehenden Zwillinge erreichten nicht nur ein höheres Lebensalter, sie schnitten zudem auch in Tests zur körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit und bei Blutuntersuchungen besser ab.

Das geschätzte Alter, die Tiefe der Falten und die Zahl der Altersflecken sind demnach offensichtlich aussagekräftige Biomarker für den gesamten Alterungsprozess und lassen Rückschlüsse auf Gesundheit, Fitness und möglicherweise auch die Lebenserwartung zu.

Auch alternde Haut kann einen gepflegten Glanz haben und zeigen, dass der Mensch gesund und vital ist.

Diese Studie aber zeigt sehr gut, dass wir es selber in der Hand haben, wie deutlich sich der Alltag in unser Gesicht eingräbt, und dass jüngeres Aussehen vor allem das Ergebnis eines gesunden Lebensstils ist. Denn fast alles, was uns äußerlich jung erhält (mal abgesehen von Schönheitsoperationen und Faltenunterspritzungen), bekommt gleichzeitig auch dem ganzen Körper gut. Wer nicht raucht, hat weniger Falten, aber gleichzeitig auch junge Blutgefäße. Wer sich regelmäßig bewegt, sorgt nicht nur für einen gut durchbluteten und rosigen Teint, sondern stärkt automatisch auch Knochen und Muskeln. Die richtigen Pflanzenstoffe, Öle und Eiweiß – über die Nahrung aufgenommen – versorgen unsere Haut mit notwendigen Schutzstoffen und verzögern die Faltenbildung, gelangen aber gleichzeitig auch zu jedem Organ unseres Körpers und bewirken dort ähnlich positive Effekte. Daraus lässt sich schlussfolgern: Jung wirkt jemand, der gesund ist und das auch ausstrahlt.

Info: Die Hautalterung ist keine gerade Straße, auf der wir mit immer gleicher Geschwindigkeit entlangrollen. Wir haben es selber in der Hand, öfter mal auf die Bremse zu treten und das gemütlichere Tempo zu genießen.